böse - böser - Bösiger


Auch ich ärgere mich zuweilen. So stark, dass ich den Ärger zu Papier bringen muss. Auf dieser Seite sollen bewusste "Bösartigkeiten" publiziert werden - Texte, die sonst nirgends Platz finden. 

Und weil in der Basellandschaftlichen Zeitung einst ein Leserbrief zu einem Artikel von mir mit "Böse, böser, Bösiger" überschrieben war, heisst diese Rubrik nun so. 


September 2020: «Liebe Alle»

Wir alle erhalten zuweilen Sammelmails mit dieser Anrede: «Liebe Alle». Gut, Sammelmails mögen durchaus sinnvoll sein. Aber nicht, wenn sie mit dieser Anrede bei uns in die Mailbox flattern. 

 

Ich behaupte: Der- oder diejenige, der / die ein Mail mit der Anrede «Liebe Alle» losschickt, macht dies in der Hoffnung, jemand möge sich angesprochen fühlen und sich im Idealfall um die darin gestellte Aufgabe kümmern – zum Beispiel antworten, aufräumen oder anrufen.

Ich behaupte weiter: Genau das geschieht nicht. Denn alle «Lieben Alle» fühlen sich eben gerade nicht angesprochen. Zumindest bei mir ist es ganz einfach: Wer mich nicht mit Namen anschreibt oder zumindest so, dass ich mich angesprochen und wertgeschätzt fühle, der oder die kann lange warten auf eine Antwort oder darauf, das zu tun, was im Mail von mir verlangt wird. Denn: Nein, ich möchte als Teil eines gesichts- und namenlosen «Liebe Alle»-Kollektivs nicht helfen beim Zügeln, das Protokoll schreiben oder was auch immer tun. Und weil das – wieder eine Behauptung von mir – mutmasslich auch die anderen Angeschriebenen so sehen, wird es niemand sein, der sich bemüssigt fühlt zu reagieren. 

 

Übrigens, noch ein Zweitletztes: Wenn schon, dann würde man «Alle» grammatikalisch korrekt klein schreiben, wie jedes andere Indefinitpronomen. «Liebe alle» also. Nur: wenn auch nun gemäss Duden korrekt, bleibt die Anrede unpersönlich und unhöflich. 

 

Und ein Letztes: Es muss nicht immer das förmliche «Sehr geehrte…» sein. Auch ein Hallo könnte reichen, wenn es denn mal schnell gehen muss. Oder einfach ein «Liebe» gefolgt von den Gleichgesinnten. Zum Beispiel: Liebe Kommissionsmitglieder. Oder Liebe Freundinnen und Freunde. 

 

Na also, geht doch!


Mai 2020: Jetzt!

Das kleine Wort jetzt ist bei TV-Spots anscheinend systemrelevant. Kaum eine TV-Werbung kommt ohne diese Aufforderung aus. 

 

«Jetzt bestellen». Sagt die Stimme und betont diesen Satz im Befehlston. 

«Jetzt wechseln». Will mir eine Versicherung weismachen. Fehlt nur noch der Zusatz «Aber subito!».

«Jetzt sparen». Werde ich von einem deutschen Grossverteiler aufgefordert. Das Ausrufezeichen ist auch hier unüberhörbar.

«Jetzt neu». So so, denke ich. 

«Jetzt mit Videodates». Damit will mich eine einschlägige Partnervermittlungsagentur in diesen Corona-Zeiten verführen. 

«Jetzt testen». Fordert mich ein Rasiermaschinenhersteller ultimativ auf und erinnert mich daran, dass ich mich seit drei Tagen rasieren sollte. 

«Jetzt gratis testen». Fordert mich ein Hersteller von Damenbinden dringend auf. Wieso sollte ich?
«Jetzt - nur noch einen Finger rühren». Mit einem Fingerwisch möchte einem eine Firma Getränke nach Hause liefern. 

 

Gute Idee! Denke ich. Und rühre meinen Finger.

Jetzt … ist sie aus - die Flimmerkiste.